Schärensegeln

Der segelnde Bassist. Was es nicht alles gibt, aber warum nicht. Segeln und Musik passen gut zusammen. Beides was für die Seele, sozusagen, mal mehr, mal weniger. Dieser Bassist segelte einen Sommer durch die Ostschären Schwedens und verlebte dabei, na klar, eine wunderschöne Zeit, denn es ist eine wunderschöne Gegend hier, vor allem, wenn man sie von einem Segelboot aus erlebt.

Eigentlich ist Claus Aktoprak, unser segelnder Bassist, ein Reisender, erst dadurch wurde er auch zum Segler. Aus ganz praktischen Gründen, denn mit einem Boot könnte er reisen, ohne sein Gepäck schleppen zu müssen. Oder so. Das wurde ihm am Strand einer Ägäisinsel klar: „Während ich am Strand stand, sah ich, wie eine Yacht am Horizont vorbeizog – offenbar auf dem Weg nach Samos. Ich sah ihr eine Zeit gedankenverloren dabei zu. Bis mir bewusst wurde, was ich dort eigentlich sah. Nämlich eine Reisemöglichkeit, die ich bisher unbeachtet gelassen hatte“…

Dass er vom Segeln damals keine Ahnung hatte, konnte ihn zum Glück nicht aufhalten. Es folgten Segelkurse und Führerscheinprüfungen, Mitsegel- und Chartererfahrungen bis er dann nach kurzer Zeit soweit war, mit seinem eigenen Boot, meist alleine, auf eine längere Reise zu gehen. Begleitet von dieser schönen Erkenntnis, die er als Motto seinem Buch voranstellt: „Wenn ich doch bloß vorher gewusst hätte, was mich dort erwartet, wäre ich schon längst losgefahren!“

Ach ja, das Buch. Entstanden, wie so viele Werke heute, aus seinem Reiseblog heraus. Geht so Buch heute? Ohne Dramaturgie, Story, Wendungen – ein Reisetagebuch eben, Beobachtungen, Begegnungen, Begebenheiten. Aber hier: Unverkrampft, sympathisch, unterhaltsam. Mit anderen Worten: Sehr gut lesbar. Und mehr. Denn dieser Autor, vergessen wir das nicht, ist vor allem Musiker. Was macht ein Musiker, wenn er längere Zeit alleine mit einem Segelboot unterwegs ist, in der Zeit, die ihn nicht mit Segeln beansprucht? Richtig: Er macht Musik. Er singt, spielt, schreibt Songs. Neue Songs, zu denen ihn seine Erlebnisse während dieser Reise inspiriert haben.

Außerdem machte er für seinen eigenen Blog auch noch jede Menge Videos. Noch einmal: Geht so Buch heute? Dieses ist ein wirklich Multimediales Werk, zunächst bei millemari erschienen als e-Book, jetzt auch in einer gedruckten Version. Das e-Book hat den Vorteil, dass die Links zu den Videos quasi „live“ sind, im gedruckten Buch muss man die kleinen quadratischen Codefelder einscannen oder, schon mühsamer, die im Text angegebenen Links zu You Tube manuell eingeben – sofern man beim Lesen überhaupt einen Computer, welcher Art auch immer aber vor allem online, bereit hat. Spannende Frage, ob dies das moderne Buch ist – die sich übrigens auch der Autor selbst stellt, der bisher auch eher fürs Gedruckte zu haben war.

Aber wie auch immer, und in welcher Form auch immer, ob elektronisch oder gedruckt – „Schärensegeln“ ist ein lebensfrohes, nett zu lesendes – und zu sehendes und hörendes – Werk, in das man immer mal wieder hinein schauen kann. Und es ist ein schönes Beispiel auch dafür, wie segeln geht – mit wenig Aufwand in einem kleinen und alten Boot und dennoch mit ganz großem Spaß und Erleben. Toll!

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